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Humanities, Social Sciences and Free Software
text Wer will Rollen spielen?
Sun, 17 Oct 2010 23:32:00 GMT

Früher habe ich gerne ab und zu mal Pen&Paper-Rollenspiele gespielt, und auch PC-Rollenspiele wie Neverwinter Nights oder Drakensang machen mir durchaus gelegentlich Spaß. Während Neverwinter Nights wenigstens noch als Linux-Version herausgegeben wurde (der Nachfolger aber leider schon nicht mehr), habe ich ansonsten leider kaum halbwegs grafisch ansprechende Rollenspiele für Linux gefunden – von OpenSource-Projekten ganz zu schweigen. Mit dem vorläufigen Aus von Rastullahs Lockenpracht ist wohl leider auch ein weiterer viel versprechender Kandidat ausgeschieden.

Bliebe noch die Online-Variante, die sogenannten MMORPGs. Bisher eigentlich ein Genre, das mich nicht so richtig gereizt hat – meine Zeit ist mir dann doch zu schade, um meinen Tagesablauf auf die Zeitplanung von Gildenpartnern abzustimmen. Und auch die latente Suchtwirkung dieser Spiele hat mich bisher immer zurückgehalten. Nicht zuletzt spiele ich dann doch nicht so viel, dass ich Lust hätte, auch noch monatliche Abo-Gebühren zu zahlen.

Aus dem Augenwinkel habe ich dabei schon länger PlaneShift beobachtet. PlaneShift ist ein quelloffenes Online-Rollenspiel, das sich derzeit zwar noch in der Entwicklung befindet, aber durchaus schon spielbar ist. Und irgendwann war dann doch die Neugier groß genug, so dass ich mir PlaneShift einmal näher angesehen habe. Hier also ein kleiner Erfahrungsbericht aus Yliakum. (Kleine Bemerkung vorweg: Da ich, wie erwähnt, bisher überhaupt keine Online-Rollenspiele kannte, kann ich auch nicht sagen, was PlaneShift von anderen MMORPGs unterscheidet. Dazu möge sich jeder ein eigenes Bild machen.)

Installation und erster Start

Um dem Spiel beitreten zu können, muss man zunächst einen Account anlegen. Das geht über die PlaneShift-Seite. Bei der Registrierung hat man die Wahl zwischen zwei Spiele-Servern: Zeroping, auf dem besonders viel Wert auf stilechtes Rollenspiel gelegt wird, und Ezpc, wo Rollenspiel weniger im Vordergrund steht. Das Rollenspiel ist einer der spannenderen Aspekte von PlaneShift, also habe ich mich für Zeroping entschieden.

PlaneShift ist für Windows, Mac OS X und Linux erhältlich. Den immerhin 430 MB großen Installer kann man einfach über BitTorrent oder einen der Mirror-Server herunterladen. Die Installation verläuft dann mit dem heruntergeladenen Installer recht problemlos. Ich habe mich der Einfachheit halber für eine Installation im Home-Verzeichnis entschieden. Wenn man den Installer aber nicht als Root laufen lässt, kann kein Starter im Anwendungsmenü erstellt werden. Mit einem kleinen Kniff kann man das aber leicht beheben: Einfach im Installer angeben, dass ein Starter auf dem Desktop erstellt werden soll. Die Datei Planeshift.desktop kann man dann einfach vom Desktop nach „.local/share/applications/" verschieben, dann taucht auch der Starter im Menü auf.

Nach der Installation ruft man einen Launcher auf, der dem eigentlichen Spiel vorgeschaltet ist. Dieser weist einen auf neue Updates hin und installiert diese, ermöglicht einige Einstellungen wie etwa zur Auflösung und Grafikqualität, und startet letztlich das Spiel.

Charakter-Erstellung

Nach dem Login auf dem Server kann man sich einen Charakter erstellen. Insgesamt lassen sich bis zu vier Charaktere anlegen. Zur Auswahl stehen zwölf verschiedene Rassen. Insgesamt ist Yliakum, die Welt von Planeshift, in meinen Augen etwas abgefahrener als Herr der Ringe, Das Schwarze Auge, oder ähnliches. So gibt es neben den „klassischen" Rassen wie Menschen, Elfen und Zwergen auch amphibische Wasserelfen, Katzenmenschen oder geflügelte Echsenmenschen. Leider stehen noch nicht für alle Rassen und Geschlechter die entsprechenden Charaktermodelle zur Verfügung, so dass man auf manche Rassen entweder verzichten muss, oder mit einer nicht ganz passenden Spielfigur durch die Welt zieht.

Nach der Festlegung von Rasse, Geschlecht und Aussehen fängt dann die eigentliche Charaktererstellung an. Das System zeigt den Rollenspiel-Fokus von PlaneShift und hat mir dabei sehr gut gefallen: Anstatt nun eine Beruf auszuwählen und Punkte auf bestimmte Fertigkeitswerte zu verteilen, schafft man seinem Charakter eine Geschichte: Vom Geburtstag, Eltern und Geschwistern über Kindheitsereignisse bis zu Erfahrungen in der Jugend. Am Ende hat man dann einen Charakter mit Stärken und Schwächen. Der Weg, den die Figur dann geht, ist aber völlig offen: Jeder Charakter kann im Laufe des Spiels prinzipiell alle Fähigkeiten und Berufe erlernen, selbst eine magische Ausbildung steht jedem offen.

Dem eigentlichen Spiel ist dann ein Tutorial vorgeschaltet. Dort trifft man einige Lehrmeister, die einen mit verschiedenen Aspekten des Spiels vertraut machen. Hat man dies alles durchlaufen, kann man in die Welt von Yliakum starten.

Unendliche Welten …

… warten in Yliakum nicht auf einen. Aber ein ziemlich großer Mikrokosmos. Derzeit besteht die Welt aus drei Städten und einigen kleineren Orten. Einiges mehr soll im Laufe der Entwicklung folgen. Aber auch so hat man einiges zu tun. Dabei ist man relativ frei, wie man sein Spiel gestaltet. Man kann eigentlich den Online-Charakter weitgehend ignorieren und einfach die Nicht-Spieler-Charaktere (NPCs) abklappern und nach Quests fragen. Die gestalten sich in der Regel eher unblutig und erinnern an das gute, alte Adventure-Prinzip: Man kriegt eine Aufgabe, muss jemanden fragen, der einen wieder zum dritten schickt, dem man dann drei Dinge besorgen muss, und irgendwann hat man die ursprüngliche Aufgabe gelöst.

Man kann aber auch einfach mal in die Kneipe gehen, und dort mit jemandem ein Bier trinken. Und dann taucht man so langsam in die Rollenspiel-Erfahrung ein, die einem Offline-Rollenspiele am Computer eben nicht bieten können. Und dort kann es einem dann etwa passieren, dass man in das Interview mit dem Sieger eines Pferde-, ach nee, Rivnak-Rennens gerät, dass eine Reporterin für die im Spiel herausgegebene Zeitung führt.

Technisches

Das Spiel wird über Tastatur und Maus gesteuert. Dabei können viele Aktionen mit IRC-ähnlichen Commandos ausgeführt werden – einige, seltener gebrauchte, sind auch nur so und nicht über die Maussteuerung erreichbar. Will man etwa an einem Fischteich sein Glück versuchen, nimmt man die Angel in die Hand und schreitet mit /fish zur Tat. Auch für die Kommunikation mit anderen Spielercharakteren sind die Kommandos hilfreich. Neben dem vom IRC bekannten /me passes a beer to Dulrik gibt es auch /greet (was eine entsprechende Geste der Figur einleitet), /wink, /laugh und sogar /kiss.

Die Grafik des Spiels ist ziemlich nett, aber vermutlich eher obere Mittelklasse. (Und, hey, Linux-User sind Nethack gewohnt, da ist 3D ja schon ein Kracher! ;) )Die Welt wirkt aber insgesamt ziemlich liebevoll gestaltet. So unterscheiden sich die Städte nach den jeweils hauptsächlich ansässigen Rassen in ihrer Architektur. Insgesamt ist das Spiel sehr spielbar, aber man merkt hin und wieder doch, dass es noch in der Entwicklung ist. So sind etwa einige der Fertigkeiten, über die ein Charakter verfügt, de facto noch nicht benutzbar. Auch kann es hin und wieder vorkommen, dass sich Quests aufgrund von Fehlern nicht beenden lassen. Dafür gibt es aber sehr aktive Gamemaster und einen Bugtracker, in dem solche Probleme besprochen werden können und, je nach Komplexität, auch relativ schnell gefixt werden.

Fazit

PlaneShift ist ein wirklich ansprechendes Online-Rollenspiel, das vor allem durch seinen starken Fokus auf lebendiges Rollenspiel besticht. Zwar ist das Spiel noch in der Entwicklung, aber „gefühlt" ist man über das Stadium der „Tech-Demo", als die die Entwickler PlaneShift bezeichnen, hinaus. Und irgendwie ist es ja auch reizvoll, einer ganzen Welt bei der Entstehung und Entwicklung zuzusehen. (Und immerhin haben Linux-Nutzer ja Erfahrung im Erstellen von Bug-Reports. ;) )



feed text Hands on: Novacut
Fri, 27 Apr 2012 16:25:24 GMT
Novacut ist ein recht neues Videoschnittprogramm mit großen Ambitionen. Es hat schon eine wechselvolle Geschichte hinter sich, mit einer gescheiterten und einer erfolgreichen Kickstarter-Kampagne und viel Zweifel an seinem möglichen Erfolg. Novacut verspricht Revolutionäres, wie etwa kollaborative Videobearbeitung über’s Netz. Alles in Allem soll Novacut nicht noch ein Heimanwender-Programm werden, sondern das Zeug zum Werkzeug für (semi-)professionelle Filmemacher haben.

Zugegeben, ich war lange auch skeptisch. Ziemlich große Versprechen und gleichzeitig ziemlich wenig benutzbarer Code. Und PiTiVi hatte schon gezeigt, dass ein guter Video-Editor nicht vom Himmel fällt. Da schien mir die Kritik, man möge doch lieber seine Ideen in PiTiVi einbringen als sich an noch einem neuen Editor zu versuchen, sehr berechtigt.

Wie dem auch sei, in Ubuntu 12.04 ist PiTiVi immer noch nicht wirklich praxistauglich und man steckt mitten in Umbauarbeiten, damit mit GES dann alles besser wird. (Ich finde PiTiVi immer noch gut, und vielleicht wird mit GES ja wirklich alles besser, aber Umbauarbeiten bedeuten in diesem Falle eben auch weniger Bugfixes für die „alten" (sprich: aktuellen) Versionen.) Da ist mir dann die Ankündigung ins Auge gesprungen, dass nun pünktlich mit Ubuntu 12.04 auch Novacut 12.04 veröffentlicht wurde. Also wollte ich dem mal eine Chance geben.

Um es vorweg zu sagen: Novacut ist auch noch nicht praxistauglich. Und um es gleich hinterher zu schieben: Ich bin trotzdem beeindruckt!

Die Installation geht über das PPA problemlos über die Bühne. Und dann ist man erst einmal aufgeschmissen. Denn Novacut hat keine Möglichkeit, Video-Dateien zu importieren. Statt dessen verwendet Novacut ein Programm namens dmedia, mit dem Video-Dateien verwaltet werden (und eben dann auch irgendwann über’s Internet abgeglichen, Proxy-Files verwaltet werden können und vieles mehr). Ein Video erklärt gut, wie es mit dmedia dann geht. Hat man die Dateien einmal in Novacut, weiß man auch nicht unbedingt gleich weiter: Es gibt keine Zeitleiste. Und wie man Clips schneiden kann, ist auch nicht gleich klar. Also noch ein Video.

Und dann ist auf einmal das ziemlich großartige Konzept klar. Das Schneiden und Sortieren von Clips macht dann auf einmal richtig Spaß. (Ein wenig erinnert es mich an unseren Abi-Film, den wir mit iMovie auf einem iMac der ersten Generation geschnitten haben, aber noch cooler.) Mich überzeugt zum Beispiel das Prinzip, einen Clip immer durch den ersten und letzten Frame zu symbolisieren. Jederzeit kann man durch das Scrollen mit der Maus auf einem dieser Bilder die Clips neu zuschneiden. Alles läuft ziemlich flüssig und das minimale Interface gibt einem trotzdem große Freiheiten.

Natürlich fehlt noch einiges, Novacut 12.04 ist eher eine Tech Preview als ein fertiges Produkt. Am schmerzhaftesten ist wohl die fehlende Audio-Unterstützung im Renderer. So ganz ohne Ton macht ein Film dann doch keinen Spaß, auch wenn man auf vieles andere (wie etwa die ebenfalls noch fehlenden Übergänge) für den Anfang gut verzichten kann. Später soll Novacut dann auch noch eine klassischere Zeitleiste bekommen, die für die Audio-Spur dann eben doch von Bedeutung ist. Und das kollaborative Bearbeiten habe ich mir gar nicht angesehen.

Alles in Allem muss ich aber sagen, dass Novacut durch sein sehr klares Aussehen und innovative Bedienkonzepte fasziniert. Ich bin sehr gespannt, wie es weiter geht!
In Ubuntus (nicht mehr ganz so) neuem Unity-Desktop steht die Suche im Mittelpunkt: Anstatt sich durch verschachtelte Menüs zu wühlen, sollen Inhalte jetzt über eine zentrale Suchmöglichkeit gefunden werden können. Und um verschiedenen Arten von Gefunden-werden-Wollendem abzudecken, bietet Unity die Möglichkeit, spezialisierte Plugins zu schreiben, die sogenannten Lenses. Jeder Unity-Nutzer kennt die Linsen für Anwendungen, Dateien und (neuerdings) Musik, aber die Idee ist, auch neue Funktionen auf diese Weise zu ergänzen.

Das Interface ist zwar neu, die Idee ist es nicht unbedingt: Vor einigen Jahren trat das Deskbar-Applet an, um eine zentrale Anlaufstelle für die Desktop-Suche zu werden, mit Plugins für Tracker (als Dateisuche), Anwendungen (als Programmstarter) und vieles anderes. Auch wenn die Deskbar nicht ohne Probleme war, die Idee leuchtete mir gleich ein. Eine Funktion fehlte mir aber, nämlich die Suche in meinem Adressbuch und die schnelle Anzeige von Kontaktinformationen, ohne dass ich immer gleich Evolution aufrufen muss. Problem erkannt, Problem gebannt, so wurde mein Deskbook-Plugin geboren, das ich bis heute gerne benutze.

Andere sind jetzt auf die einleuchtende Idee gekommen, diese Funktion jetzt in die Unity-Dash einzubauen. So findet sich ein entsprechender Eintrag auf Ubuntu Brainstorm. Auch OMG! Ubuntu! hat schon einmal einen frühen Prototyp vorgestellt. Die Idee ist bis zum Ubuntu Technical Board vorgedrungen und wurde einem Review unterzogen. Zwar wird das Kern-Team in absehbarer Zeit keine solche Lens erstellen, aber Allison Randal gibt ein paar Hinweise, wie ein leidlich erfahrener Python- oder Vala-Programmierer ein solches Unterfangen beginnen könnte.

Mir gefällt die Idee, und anderen offenbar auch. Pablo Saavedra hat (aufbauend auf der Music Lens) schon mal ersten Code geschrieben. Aber um vom ersten Proof-of-Concept zu einer billant geschliffenen Kontakt-Linse zu kommen, ist noch einiges zu tun. Um für Interessierte eine Anlaufstelle zu bieten, habe ich einmal ein Projekt auf Launchpad erstellt und ein Team gegründet.

Ich denke, dass eine solche Lens eine überschaubare Aufgabe ist, und ein guter Einstieg in die Entwicklung für Unity. Alle, die die Idee einer Kontaktsuche in der Dash überzeugen kann, und die Lust haben, sich in ein solches Projekt einzubringen, sind herzlich eingeladen, dem Team beizutreten und auf der Team-Mailingliste über die nächsten Schritte zu diskutieren. Noch ist nicht einmal die Wahl der Programmiersprache (Python oder Vala) endgültig gefallen, ihr habt also die großartige Gelegenheit, das Projekt von Anfang an mitzugestalten.

Es würde mich freuen, den einen oder die andere Interessierte im Team begrüßen zu können.
Microsoft hat einen ersten Blick auf Windows 8 veröffentlicht. Falls man bisher meinte, Unity oder GNOME 3 würden mit bisherigen Desktop-Gewohnheiten brechen, zeigt die Windows-8-Preview, dass es noch drastischer geht. Der Windows-8-Desktop hat viel mehr mit Windows Phone 7 als mit einem bisherigen Windows-System zu tun. Und das System ist gleichermaßen auf Touch- wie auf Maus- oder Tastaturbedienung ausgelegt.