feed2list lesezeichen · · · · · ·
   
website Fredo's Blog
Humanities, Social Sciences and Free Software
text Navigation durch die See der Navigatoren
Sat, 1 May 2010 21:28:50 GMT
Der Browser ist wohl eines der wichtigsten Programme, die man täglich benutzt. Der Firefox, Ubuntus Standardbrowser, gehört dabei zu den meistverwendeten Browsern, neben Microsofts Internet Explorer. Und obwohl ich den Firefox durchaus schätze (und auf der Arbeit auch verwende, nicht zuletzt wegen Zotero), ist er nicht unbedingt mein Lieblingsbrowser. Er ist mir etwas zu schwerfällig und braucht mit einigen Addons auch relativ lange zum Starten.

Lange Zeit (und schon vor meinem Wechsel zu Ubuntu unter Windows) war Opera mein Favorit. Klein, schnell, und viele Funktionen eingebaut, die man bei anderen Browsern erst per Addon nachrüsten muss. Unter Linux hat mich aber eines schon länger gestört: Während die meisten Programme dank GTK einen schönen, gemeinsamen Look teilen (und auch Qt4 war hier ein Sprung vorwärts für den einheitlichen GNOME-Desktop), hat Opera eigene Skins. Mit entsprechenden Skins konnte man aber durchaus einen GNOME-ähnlichen Look hinbekommen.

Unter Lucid sieht das ganze aber einfach nicht mehr so gut aus. So werden z.B. die Menüs nicht dem Ambiance-Theme entsprechend dunkel dargestellt, und die Schrift passt auch nicht richtig zum Desktop:


Lange wollte ich nicht rumbasteln, sondern habe mich statt dessen entschieden, mal einem neuen Browser eine Chance zu geben. Einem Browser, der sich gut in den GNOME-Desktop integriert. Firefox ist mir, wie gesagt, etwas zu fett. Ein schon länger vorhandener Bug führt zudem dazu, dass die Schrifteinstellungen des Desktops nicht berücksichtigt werden (auch wenn man dies mit einem Workaround beheben kann):


Also weitersuchen. Unter GNOME bietet sich da natürlich Epiphany an, der eigentlich Standardbrowser von GNOME. Seit einiger Zeit setzt Epiphany nicht mehr auf Gecko, die Rendering-Engine vom Firefox, sondern auf WebKit. (WebKit ist ja jener KHTML-Abkömmling, der spätestens mit dem iPhone-Browser einige Prominenz erhalten hat, und nun auch zum neuen Star der Rendering-Engines unter Linux avanciert.) Epiphany punktet vor allem durch seine Schlichtheit. Ganz der GNOME-Philosophie folgend, soll sich Epiphany ganz auf seine Hauptaufgabe konzentrieren, das Navigieren durchs Web. Mir persönlich ist Epiphany aber ein bisschen zu spartanisch. Als Opera-Nutzer ist man vielleicht etwas mehr Komfort gewöhnt. Außerdem weiß ich nicht, ob es der beste Fix für den Bug mit den zu kleinen Schriften ist, einfach prominent Buttons für die Schriftgrößenänderung zu platzieren.

Mir ist dann noch Midori eingefallen. Midori ist ein leichtgewichtiger, auf GTK und WebKit aufbauender Browser, der es mittlerweile zum Standardbrowser des Xfce-Desktops gebracht hat. Und ich muss sagen: Ich bin sehr beeindruckt. Midori startet schnell (ca. 5 Sekunden, während Firefox bei mir eher 15 braucht). Mit Midori kann man natürlich vor allem browsen, aber es hat auch einige nette Zusatzfunktionen. Und einiges erinnert durchaus an Opera: Am auffälligsten ist vermutlich die Schnellwahl, die in leeren Tabs angezeigt wird und einen schnellen Zugriff auf ausgewählte Seiten erlaubt. Aber auch eine Seitenleiste, die Verlauf, Lesezeichen und einiges mehr beherbergt, ist von Opera bekannt. Midori erlaubt darüber hinaus, geschlossene Tabs wieder zu öffnen und hat einen privaten Modus (wobei auch schon bei Firefox böse Zungen behaupten, das „P" stehe eher für „porn" denn für „private").


Hier sieht man Midori im fröhlichen Reigen der behandelten Browser:


Ganz ungetrübt ist die Browsing-Freude nicht, so tun sich manche Websites mit Midori schwer. Das kennt man aber auch von Opera, und in einigen Fällen (wie etwa bei Google Maps) kann man dies beheben, indem man Midori einfach als Safari ausgibt. Den Firefox habe ich sowieso immer drauf und kann zur Not darauf zurückgreifen. Aber für den alltäglichen Gebrauch gefällt mir Midori bisher sehr gut. Ich werde ihn erst einmal zu meinem Standardbrowser machen und gucken, ob ich auf Dauer damit zufrieden bin. (Die kommende Version 10.50 von Opera werde ich aber natürlich auch einmal ausprobieren.)

feed text Hands on: Novacut
Fri, 27 Apr 2012 16:25:24 GMT
Novacut ist ein recht neues Videoschnittprogramm mit großen Ambitionen. Es hat schon eine wechselvolle Geschichte hinter sich, mit einer gescheiterten und einer erfolgreichen Kickstarter-Kampagne und viel Zweifel an seinem möglichen Erfolg. Novacut verspricht Revolutionäres, wie etwa kollaborative Videobearbeitung über’s Netz. Alles in Allem soll Novacut nicht noch ein Heimanwender-Programm werden, sondern das Zeug zum Werkzeug für (semi-)professionelle Filmemacher haben.

Zugegeben, ich war lange auch skeptisch. Ziemlich große Versprechen und gleichzeitig ziemlich wenig benutzbarer Code. Und PiTiVi hatte schon gezeigt, dass ein guter Video-Editor nicht vom Himmel fällt. Da schien mir die Kritik, man möge doch lieber seine Ideen in PiTiVi einbringen als sich an noch einem neuen Editor zu versuchen, sehr berechtigt.

Wie dem auch sei, in Ubuntu 12.04 ist PiTiVi immer noch nicht wirklich praxistauglich und man steckt mitten in Umbauarbeiten, damit mit GES dann alles besser wird. (Ich finde PiTiVi immer noch gut, und vielleicht wird mit GES ja wirklich alles besser, aber Umbauarbeiten bedeuten in diesem Falle eben auch weniger Bugfixes für die „alten" (sprich: aktuellen) Versionen.) Da ist mir dann die Ankündigung ins Auge gesprungen, dass nun pünktlich mit Ubuntu 12.04 auch Novacut 12.04 veröffentlicht wurde. Also wollte ich dem mal eine Chance geben.

Um es vorweg zu sagen: Novacut ist auch noch nicht praxistauglich. Und um es gleich hinterher zu schieben: Ich bin trotzdem beeindruckt!

Die Installation geht über das PPA problemlos über die Bühne. Und dann ist man erst einmal aufgeschmissen. Denn Novacut hat keine Möglichkeit, Video-Dateien zu importieren. Statt dessen verwendet Novacut ein Programm namens dmedia, mit dem Video-Dateien verwaltet werden (und eben dann auch irgendwann über’s Internet abgeglichen, Proxy-Files verwaltet werden können und vieles mehr). Ein Video erklärt gut, wie es mit dmedia dann geht. Hat man die Dateien einmal in Novacut, weiß man auch nicht unbedingt gleich weiter: Es gibt keine Zeitleiste. Und wie man Clips schneiden kann, ist auch nicht gleich klar. Also noch ein Video.

Und dann ist auf einmal das ziemlich großartige Konzept klar. Das Schneiden und Sortieren von Clips macht dann auf einmal richtig Spaß. (Ein wenig erinnert es mich an unseren Abi-Film, den wir mit iMovie auf einem iMac der ersten Generation geschnitten haben, aber noch cooler.) Mich überzeugt zum Beispiel das Prinzip, einen Clip immer durch den ersten und letzten Frame zu symbolisieren. Jederzeit kann man durch das Scrollen mit der Maus auf einem dieser Bilder die Clips neu zuschneiden. Alles läuft ziemlich flüssig und das minimale Interface gibt einem trotzdem große Freiheiten.

Natürlich fehlt noch einiges, Novacut 12.04 ist eher eine Tech Preview als ein fertiges Produkt. Am schmerzhaftesten ist wohl die fehlende Audio-Unterstützung im Renderer. So ganz ohne Ton macht ein Film dann doch keinen Spaß, auch wenn man auf vieles andere (wie etwa die ebenfalls noch fehlenden Übergänge) für den Anfang gut verzichten kann. Später soll Novacut dann auch noch eine klassischere Zeitleiste bekommen, die für die Audio-Spur dann eben doch von Bedeutung ist. Und das kollaborative Bearbeiten habe ich mir gar nicht angesehen.

Alles in Allem muss ich aber sagen, dass Novacut durch sein sehr klares Aussehen und innovative Bedienkonzepte fasziniert. Ich bin sehr gespannt, wie es weiter geht!
In Ubuntus (nicht mehr ganz so) neuem Unity-Desktop steht die Suche im Mittelpunkt: Anstatt sich durch verschachtelte Menüs zu wühlen, sollen Inhalte jetzt über eine zentrale Suchmöglichkeit gefunden werden können. Und um verschiedenen Arten von Gefunden-werden-Wollendem abzudecken, bietet Unity die Möglichkeit, spezialisierte Plugins zu schreiben, die sogenannten Lenses. Jeder Unity-Nutzer kennt die Linsen für Anwendungen, Dateien und (neuerdings) Musik, aber die Idee ist, auch neue Funktionen auf diese Weise zu ergänzen.

Das Interface ist zwar neu, die Idee ist es nicht unbedingt: Vor einigen Jahren trat das Deskbar-Applet an, um eine zentrale Anlaufstelle für die Desktop-Suche zu werden, mit Plugins für Tracker (als Dateisuche), Anwendungen (als Programmstarter) und vieles anderes. Auch wenn die Deskbar nicht ohne Probleme war, die Idee leuchtete mir gleich ein. Eine Funktion fehlte mir aber, nämlich die Suche in meinem Adressbuch und die schnelle Anzeige von Kontaktinformationen, ohne dass ich immer gleich Evolution aufrufen muss. Problem erkannt, Problem gebannt, so wurde mein Deskbook-Plugin geboren, das ich bis heute gerne benutze.

Andere sind jetzt auf die einleuchtende Idee gekommen, diese Funktion jetzt in die Unity-Dash einzubauen. So findet sich ein entsprechender Eintrag auf Ubuntu Brainstorm. Auch OMG! Ubuntu! hat schon einmal einen frühen Prototyp vorgestellt. Die Idee ist bis zum Ubuntu Technical Board vorgedrungen und wurde einem Review unterzogen. Zwar wird das Kern-Team in absehbarer Zeit keine solche Lens erstellen, aber Allison Randal gibt ein paar Hinweise, wie ein leidlich erfahrener Python- oder Vala-Programmierer ein solches Unterfangen beginnen könnte.

Mir gefällt die Idee, und anderen offenbar auch. Pablo Saavedra hat (aufbauend auf der Music Lens) schon mal ersten Code geschrieben. Aber um vom ersten Proof-of-Concept zu einer billant geschliffenen Kontakt-Linse zu kommen, ist noch einiges zu tun. Um für Interessierte eine Anlaufstelle zu bieten, habe ich einmal ein Projekt auf Launchpad erstellt und ein Team gegründet.

Ich denke, dass eine solche Lens eine überschaubare Aufgabe ist, und ein guter Einstieg in die Entwicklung für Unity. Alle, die die Idee einer Kontaktsuche in der Dash überzeugen kann, und die Lust haben, sich in ein solches Projekt einzubringen, sind herzlich eingeladen, dem Team beizutreten und auf der Team-Mailingliste über die nächsten Schritte zu diskutieren. Noch ist nicht einmal die Wahl der Programmiersprache (Python oder Vala) endgültig gefallen, ihr habt also die großartige Gelegenheit, das Projekt von Anfang an mitzugestalten.

Es würde mich freuen, den einen oder die andere Interessierte im Team begrüßen zu können.
Microsoft hat einen ersten Blick auf Windows 8 veröffentlicht. Falls man bisher meinte, Unity oder GNOME 3 würden mit bisherigen Desktop-Gewohnheiten brechen, zeigt die Windows-8-Preview, dass es noch drastischer geht. Der Windows-8-Desktop hat viel mehr mit Windows Phone 7 als mit einem bisherigen Windows-System zu tun. Und das System ist gleichermaßen auf Touch- wie auf Maus- oder Tastaturbedienung ausgelegt.